
Folkwang Universität der Künste

LET'S GET PHYSICAL
Der Studiengang Physical Theatre an der Folkwang Universität der Künste ist das einzige staatlich anerkannte Studienprogramm für dieses künstlerische Feld in Deutschland.
Ziel des vierjährigen Vollzeitstudiums ist es, individuelle, kreative, verantwortungs- und selbstbewussten Theatermacher*innen für die staatliche und freie Theaterszene auszubilden. Dabei versteht sich Physical Theatre als eine sparten- und genreübergreifende, stets nach neuen Formen suchende Spielart der Schauspiel- und Performancekunst, in der der Körper Ausgangs- und Referenzpunkt für künstlerische Gestaltungsprozesse ist. Die entstehenden Stücke, Choreographien und Performances beruhen üblicherweise nicht auf einer Dramenvorlage, sondern sind vielmehr Neuschöpfungen der eigenen Autorschaft, die sich hierbei nicht nur auf Text beschränkt. Absolvent*innen arbeiten als Schauspieler*innen, Tänzer*innen, Solist*innen, im Ensemble, als Regisseur*innen und als Choreograph*innen.
Was ist das aussergewöhnliche und tolle an der Folkwang Universität der Künste? Die Vernetzungen mit den Studiengängen Schauspiel, Regie und Musical. Es gibt ausserdem noch Curriculare Vernetzungen mit andere Studiengänge. Der Folkwang Campus in Essen-Werden bietet zahlreiche spannende Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

STUDIUMSINHALTE
Das vierjährige Vollzeitstudium ist eine auf praktischem Unterricht basierte Ausbildung für Theatermacher*innen. Obgleich das Studium allen Student*innen die gleichen Werkzeuge und Trainingsinhalte bietet, fokussiert es dennoch auf die Stärkung der individuellen Künstler*innenpersönlichkeit.
Körperunterrichte
Tanz, Tanzimprovisation, Contact Improvisation, Fechten, Acrobalance, Tai-Chi, Mime-Technik, Feldenkrais, Bewegungslehre, Alexandertechnik
Spielunterrichte
Maske (Neutrale Maske, Larven, Charaktermaske), Lecoq, Clown, Commedia dell’arte, Schauspielgrundlagen, Animal Work
Stimme und Text
Stimmausbildung nach Linklater Methode, creative writing, Umgang mit Eigen- und Fremdtexten
Devising
Bereits ab dem ersten Semester beginnen die Student*innen, begleitet durch die Lehrenden, mit der Arbeit an eigenen Konzepten und der Umsetzung dieser. Die Unterrichte in Körper, Stimme und Spiel können als Werkzeuge verstanden werden, die in der Arbeit an Solo-, Duo- und Gruppenstücken zu ihrer Anwendung gelangen. Während diesen Arbeiten erlangen die Student*innen Fähigkeiten in der Stückentwicklung, der (körperlichen) Recherche, dramaturgischem Handwerk und dem Dramatisieren von aufgespürten Themen.
Der Unterricht ist stark dialogisch geprägt. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Ausbau der kommunikativen Fähigkeiten der Student*innen. Bereits am Studienbeginn etablieren die Dozent*innen ein Feedbackvokabular, dass die Student*innen befähigkt ihre Ideen sowie positive und negative Kritik für ein Gegenüber formulierbar zu machen.

GESCHICHTE DES STUDIENGANGS
Alles fing 1956 an, als Jean Soubeyran von der Folkwang Schule den Auftrag erhalten hat, Pantomime Kurse anzuhalten.
Daraufhin setzte Günter Titt die Arbeit Soubeyran fort sowohl für die Studierende des Schauspielinstituts als auch für die Opernklasse. Dieser Kurs wurde im laufe der Jahren als fester Bestandteil der Ausbildungen aufgenommen. Pantomine wurde zum neuen Ausbildungsmodell!
1965 wurde von Günter Titt & Bettina Falckenberg die Hauptfachklasse Pantomime gegründet. Sie, als SchülerIn und MitbegründerIn des Pantomimen-Ensembles um Jean Soubeyran, sind beide wesentlich an der Verbreitung dieser damals noch jungen Kunstform in Deutschland der 1950/60er Jahre beteiligt. Bis 1980 existierte die Möglichkeit des Doppelstudiums für MimerInnen und SchauspielerInnen. Der Kernpunkt dieser damaligen Ausbildung? Die Vermittlung der Techniken der modernen Mime, der Improvisation als Gestaltungsprinzip un der Wiederentdeckung der Lust an körperlichem Spiel.
1987 übernahm Professor Milan Sladek -ein weltweiter gefragter Solo-Pantomime, Regisseur und Leiter seiner eigenen Compagnie und Theaters- die Leitung des Studiengangs. Sein Ausbildungsstil war der des "künstlerischen Begleiters, die die individuellen Kreationen der StudierendInnen beförderte.
Von 1994 bis 2005 übernahm Professor Peter Siefert die Leitung. Die Ausbildung bewegte sich in Richtung eines komödiantischen Bewegungstheaters. Die Auseinandersetzung mit Spielformen wie die der Commedia dell' Arte, des Chorischen Theaters, des Clowns sowie intensive Untersuchungen des Spiels mit Masken ergänzten und bereicherten die Lehre.
2005 übernahm Professor Thomas Stich- damaliger Student von Günter Titt & Bettina Falckenberg und Mitarbeiter von Peter Siefert, die Leitung des Studiengangs. Unter Thomas Stich werden grundlegende Bausteine der Ausbildung, wie etwa das Spiel mit Masken, Improvisation, Mimetechnik bewahrt und um eine erhebliche Anzahl zusätzlicher Fächer ergänzt. Interdiziplinäre Grundunterricht mit den Studiengängen Schauspiel, Regie und Musical sind zu finden. Theatergeschichte des Physischen Theaters, Dramaturgie und Projektmanagement sind neben der praxisbezogenen Körperausbildung zu finden. 2008 bekam -im Rahmen der Neukonzeption der Ausbildung infolge des Bologna-Prozesses- der Studiengang einen neuen Namen: Physical Theatre. Unter Thomas Stich hat sich der Studiengang zum Ziel gesetzt, die Entwicklung der individuellen Künstlerpersönlichkeit zu fördern.
"Heute werden in den Studiengang junge TheatermacherInnen und KünstlerInnen ausgebildet, die die Fähigkeit entwickeln, eigene Stücke zu kreieren, Themen aufzuspüren, die sie brennend interessieren, diese konzeptuelle zu erfassen, in grosser Selbständigkeit zu erarbeiten und auf hohem künstlerischen Niveau umzusetzen." Thomas Stich
Wie man sieht: Physical Theater ist eine überaus lebendige und stets auf neue ästhetische Formen zielende Spielart im Spannungsfeld der visuellen und szenischen Künste. Eine Vielfalt der Bezeichnungen für diese körperliche Spielform ist zu finden: Physical Theatre, Body-based Theatre, Movement Theatre, Bewegungstheater, Moderne Mime, Pantomime, Visuelles Theater, Körpertheater, Mime Corporel, Theatre du Mouvement. Das alles weist auf die Bandbreite an Ausdrucksfindungen, dennoch bleibt unter all diese Labels der Schwerpunkt: das körperliche Spiel als theatralen Recherche.
Eine bisschen ausführlichere Geschichte der Pantomime in der deutschen Theatergeschichte:
Am Anfang war das Wort, zumindest denkt man es so. Aber das war nicht immer so. Es war eigentlich nie so. Erst als
Goethe die Klassik-Wort-Bühne in Weimar gründete, als der Herzog von Meiningen das historische Remake-Theater erfand und als schliesslich Otto Brahms und Gerhart Hauptmann die Szene auf die naturalistische Wiedergabe beschränkten...
Seitdem war und blieb das Wort.
Dann kam Max Reinhardt und mischte die Wortbühne mit Raumtheater und Commedia dell'Arte auf. Es kam auch der Stummfilm und prägte durch sein expressionistisches Körperspiel Regisseur*Innen wie Fehling und Jessner.
Es kam der germane dance mit Joos, Laban, Wigman und Valeska Gert, den Pionier*Innen des heutigen Tanztheaters.
Alle hatten dasselbe Ziel: Direktheit, Echtheit, Wahrheit auf die Bühne bringen. Durch den Körper.
Text von Dietmar Sacher & Thomas Stich.

PARTNERINSTITUTIONEN
KONTAKT
Bei Fragen über unseren Studienalltag, Anfragen an die Student*innen, für Auskünfte über das Bewerbungsverfahren und für alle anderen Anfragen kontaktiert uns bitte gerne!
Über die Mail Adresse: physicaltheatre(at)folkwang-uni.de oder social media.

